Wurzeln und Flügel

Und wie macht Ihr das so? Unsere Vereinbarkeitsgeschichte

5 Kommentare

Heike von Das Elternhandbuch interessiert sich im Rahmen einer Blogparade für die Vereinbarkeitslösungen der Otto-Normal-Bevölkerung. Ich beschreibe unsere Geschichte gerne aus meiner Perspektive, denn die Frage Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit ist für mich präsenter als für meinen Mann.

Zum Zeitpunkt der ersten Schwangerschaft führten mein Mann und ich eine Fernbeziehung. Es war klar, dass wir allerspätestens zur Geburt einen gemeinsamen Hauptwohnsitz haben wollten. Ausschlaggebend für die Wahl des Wohnorts waren unsere Arbeitsverträge: meiner befristet und Projektgebunden, seiner unbefristet. Für die Elternzeit war geplant, dass ich die Familien- und Hausarbeit übernehme, mein Mann die Erwerbsarbeit. Acht Monate nach der Geburt begann ich, mich zu bewerben. Zunächst dachte ich, mit offenen Karten spielen zu müssen, wunderte mich jedoch darüber, dass ich keine einzige Einladung zum Vorstellungsgespräch erhielt. Ich strich Kind und Elternzeit aus meinem Lebenslauf, es prasselte an Einladungen. Zu einer Einstellung kam es jedoch erst, nachdem das zweite Kind geboren war. Ich vermute, dass es für den Arbeitgeber sicherer so ist, da ich mit zwei Kindern bereits die Statistik erfülle.

In den ersten acht Monaten ab Einstellung in meinem neuen Job (20 Stunden pro Woche) hatten wir für beide Kinder keine umfassende Kinderbetreuung. Der Große besuchte an zwei Vormittagen die Woche eine private Kita. Mein Mann ermöglichte mir also meine Arbeit, indem er ebenfalls 20 Stunden pro Woche Teilzeit in Elternzeit arbeitete und wir uns für acht Monate gemeinsam um alles kümmerten. Rückblickend empfinde ich es als eine herrliche Zeit. Finanziell hat es uns nicht mehr gebracht, aber auch nicht (viel) weniger.

Seitdem der Große einen Ü3-Platz in einer kirchlichen Einrichtung hatte und der Kleine einen Tagesvater im Nachbardorf besuchte, widmete sich mein Mann wieder vorwiegend der Erwerbsarbeit. Morgens machte und macht er die Kinder fertig und bringt sie in die Tagespflege, damit ich um 6:30 Uhr losfahren konnte, um nicht in den Berufsverkehr zu geraten und meine Stunden voll bekommen zu können. Ich holte die Kinder ab, kümmerte mich nachmittags um sie und erledigte nebenbei den Haushalt. Das ging lange Zeit gut, bis mir plötzlich alles zu viel wurde. Ich wollte morgens nicht mehr aufstehen und brach bei jedem falsch verstandenen Wort in Tränen aus. Ich glaube, ich war nahe dran am Mama-Burnout. Ich ließ mich das erste Mal in meinem Leben krank schreiben. Wir nutzten die Zeit, um Aufgabenverteilung und das zeitliche Ausmaß aller Arbeiten (Familie, Job, Haushalt) transparent zu machen und neu zu verteilen. Ich bin seitdem den größten (Wäsche-) Berg los. Ehrlich gesagt musste ich mich schon damit anfreunden, dass die saubere Wäsche anders aussieht als wenn ich sie gemacht hätte. Aber dafür habe ich viel mehr Zeit und Entspannung gewonnen. Im Moment geht es uns beiden mit der Aufteilung gut so wie es ist. Ansonsten müssen wir erneut verhandeln.

 

Fazit: Bei uns gibt es keine Entscheidung für ein Modell. Meine Erfahrung zeigt, dass man mit dem gehen muss, was aktuell und sinnvoll in der Familie ist, so dass es jedem Familienmitglied damit gut geht.

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5 Kommentare zu “Und wie macht Ihr das so? Unsere Vereinbarkeitsgeschichte

  1. Hallo Jasmin,
    toll, dass Du mitmachst & uns einen Einblick in deinen Alltag gibst 🙂

    Lieben Gruß
    Heike vom Elternhandbuch-Team

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  2. Liebe Jasmin, deine Geschichte hat mich sehr berührt. Es gefällt mir besonders gut, dass ihr als Paar offensichtlich immer wieder neu schaut, wie das Familienleben optimal zu organisieren ist. Wenn man in der Lage ist, kritische Situationen, wie deine Burn-Out-Symptome, richtig einzuordnen und so zu verändern, dass alle wieder besser durchatmen können, kann einen doch kaum noch etwas umhauen. Liebe Grüße Nicole vom Elternhandbuch

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  3. Oh, die idee finde ich wunderbar – da würde ich gerne auch ein Bitrag zu machen. Schließlich findet man bei solchen beiträgen immer wieder halt und neue Ideen.
    Danke

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  4. Pingback: Auswertung unserer Blogparade „Papa kann auch stillen“

  5. Pingback: Familie und Arbeit – wie wir “es” tun | Wilde-Wölfin

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