Wurzeln und Flügel


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Debüt

Da bin ich. Möchtet Ihr mich kennenlernen? Ich beantworte 10 Fragen von Mama, Couch und Coach. Bei der Beantwortung der Fragen musste ich teilweise lange darüber nachdenken.

Wo tankst du Kraft?

Im Moment tanke ich meine Kraft vorwiegend im Bett, um Schlaf nachzuholen.
Kurz darauf folgen Unternehmungen (auch mit Kindern), bei denen ich alle meine Sinne benutzen und mich spüren kann. Wie z.B. ein Spaziergang im Wald: die Vögel zwitschern, die Sonne blinzelt durchs Blätterdach, die feuchte Waldluft duftet erdig, der Wind pustet mir ins Gesicht und zerzaust meine Haare. Ui, ein umgestürzter Baum… ob ich es schaffe, bis zum Ende freihändig zu balancieren?
Dann würde ich sagen, alles bei dem ich als größtenteils fremdbestimmte Mutter mein Bedürfnis nach Selbstbestimmung erfüllen kann. Dazu gehört meine Arbeit, Nähen und Schreiben.

Wann warst du zuletzt so vertieft in etwas, mit so viel Begeisterung dabei, dass Stunden wie Minuten vergingen?

Das ist mir beim Familientag vom Kinderturnen so gegangen. Das Förderzentrum ist ein umgebautes Schwimmbad, welches durch die vielfältige Bewegungslandschaft (Trampolin, Bällebad, Hüpfburg, Sprossenleiter, Hängematte, Schaukeln, dunkle Höhle, Schrägen, Rollbahn, viele Matten, schöner Ruheraum mit Wasserbett) wunderbare Bewegungsanreize schafft.

Wie wäre ein Mensch, der das komplette Gegenteil von dir ist? In welcher Hinsicht wärst du lieber wie er/sie und in welcher Hinsicht gar nicht?

Hektisch, impulsiv, indirekt, taktlos, chaotisch, strategisches Alpha-Tier. Ich möchte gar nicht hektisch sein. Ständig Stress und Unruhe bei mir und anderen zu verbreiten, wäre ein Alptraum. Dafür wäre ich manchmal gern ein bisschen mehr strategisches Alpha-Tier.

Welchen Beruf wolltest du als Kind ergreifen? Was hat dich daran begeistert? Begeistert es dich heute noch? 

Lange Zeit wollte ich Musikerin werden. Noch heute begeistert mich das Erschaffen von Tönen und Emotionen. Heute sehe ich noch mehr. Ich finde die Möglichkeiten toll, auf verschiedene Arten zu spielen: 1. allein beim Solo – Aufmerksamkeit pur, ich kann zeigen was ich drauf habe, 2. bei der Kammermusik in kleinen Gruppen – jeder ist Solist, keiner kann sich verstecken, doch zusammen gibt es neue Klänge und 3. beim Sinfonieorchester in großen Gruppen – gemeinsam etwas Großartiges leisten. Was für geniale Vibrationen, wenn 10 Kontrabässe gleichzeitig spielen wie es bei Mahler zu finden ist!

Was hortest und sammelst du – und was verbrauchst und genießt du? 

Unsere Lebensmittelvorräte sind ziemlich gut gefüllt. Des Weiteren baue ich mir gerade eine Stoffsammlung auf. Ich liebe es spontan entscheiden, beispielsweise heute backe ich einen Kuchen und dank der Vorräte direkt loslegen zu können. Nach dem Motto: „Spontanität muss sorgfältig geplant sein.“

Was besitzt du und wer und was besitzt dich? Und warum eigentlich?

Ist nicht alles im Leben irgendwie nur geliehen?

Was möchtest du gerne loslassen? Und was bist du bereit herzugeben?

Glaubenssätze und Beziehungen, die mir nicht gut tun, möchte ich gerne loslassen. Z.B. habe ich zu Hause häufig den Eindruck, ich müsste meine Männer antreiben, damit die Wohnung aufgeräumt wird, damit wir etwas erledigen oder auch Schönes unternehmen können. Das ist so irre anstrengend, Motivationsmotor für alle zu sein. Wenn ich Verantwortung und Arbeit abgeben will, um mehr Ruhe und Leichtigkeit zu erlangen, gehört es dazu auch meinen inneren Kontrollfreak-Anteil herzugeben oder zumindest herunter zu schrauben.

Was würdest du heute noch tun oder angehen, wenn du wüsstest, es könnte nicht schief gehen?

Ich würde ein eigenes Café eröffnen, eine Begegnungsstätte für Jung und Alt.

Was würdest du am Ende deines Lebens am meisten bereuen, wenn du es nicht getan hättest?

Kinder kriegen. Es ist superanstrengend, aber auch wunderschön mit ihnen. Ich komme an meine Grenzen, lerne aber auch viel dazu – am allermeisten Geduld. Die Karriere kommt hoffentlich später nochmal dran.
Dicht davon gefolgt: Im Ausland leben. Nach dem Vordiplom habe ich zwei Urlaubssemester genommen und jeweils sechs Monate in Indien und Ecuador gelebt. Besonders heute, wo ich durch die Kinder mich an Haus und Hof gebunden fühle, zehre ich von meinen Erinnerungen an die große Freiheit, die ich gelebt habe.

Lebst du das Leben, das du leben willst?

Ja und nein. Ich empfinde das Leben bzw. die Wünsche darin als dynamisch. Daher funktioniert das Prinzip nicht „Ziel erreicht, jetzt bin ich bis an mein Lebensende glücklich“. Z.B. als mein Mann und ich nur ein Liebespaar waren, haben wir uns irgendwann nach einer eigenen Familie gesehnt. Jetzt haben wir eine eigene Familie und stellen fest, „Hilfe, was ist aus unserer Paar-Beziehung geworden?“ Es ist ein wiederkehrendes Wahrnehmen von Situationen, Gefühlen und Bedürfnissen, Feiern und Bedauern der erfüllten oder nicht erfüllten Bedürfnisse, Suche nach Lösungsstrategien, Verantwortung Übernehmen und Ausprobieren. Und manchmal kann man einfach nur versuchen, das Leben mit der offenen Frage lieben zu lernen…