Wurzeln und Flügel


Ein Kommentar

Achtsamkeit #9

„Wenn wir unserem Körper erlauben, sich zu entspannen, entfalten sich unsere Selbstheilungskräfte ganz von selbst.“
aus „Sei liebevoll umarmt“ (KW 9) von Thich Nhat Hanh

Lange habe ich gezögert, etwas zu dem Spruch der Woche etwas zu schreiben, denn das Konzept der „Selbstheilungskräfte“ ist nicht ganz meins. Ich halte es für ziemlich gefährlich, Patienten zu sagen, entspann Dich nur, dann wirst Du wieder gesund, Dein Körper richtet es von selbst. Heute las ich jedoch etwas im Deutschen Ärzteblatt, das mich meine Meinung ändern ließ.

Emotionale Ausnahmesituationen wie Wutausbrüche oder große Angst könnten das Risiko für einen Herzinfarkt kurzfristig um ein Vielfaches erhöhen.“ Die Filmszenen, in denen ein Mann sich aufregt, sich ans Herz fasst und Tod zusammenbricht, sind gar nicht so realitätsfern.

Alltagsnöte und Sorgen können bei jüngeren Patienten die Erholung nach einem Herzinfarkt behindern.“ Mein Herz wird vor Kummer schwer. Mein Herz zerspringt vor Sorge. So oder so ähnlich sagt der Volksmund. Vielleicht kannte der schon früher den möglichen Zusammenhang.

Das chronische Erschöpfungssyndrom […] hinterlässt möglicherweise doch Spuren im Immunsystem.“ Wir sind ein ziemlich variables System.

Kurz gesagt, Gefühle können unseren Körper beeinflussen. Wenn Du gut für Deinen Körper sorgen willst, achte auch auf Deine Gefühle.

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Achtsamkeit #8

„Sorge Dich nicht. Lächele Dir zu.“
aus „Sei liebevoll umarmt“ (KW 8) von Thich Nhat Hanh

Nachts fährt mein Gedankenkarussell am liebsten. Ob ich von allein oder durch den Tritt eines Kinderfußes erwache, ist einerlei. Meist zwischen ein und drei Uhr morgens beginnt die Extra-Fahrt, ohne bewusst ein Ticket dafür gekauft zu haben. Ich bin hundemüde und bräuchte dringend Erholung, um für den kommenden Tag gewappnet zu sein. Und sobald ich das denke und dabei anfange, mich zu ärgern, nimmt das Gedankenkarussell an Geschwindigkeit auf. Ich rufe: „Hallo! Könnte jemand die Bremse betätigen? Ich will aussteigen, Hilfe!“ Nichts tut sich. Ich ärgere mich noch mehr, weil niemand mir hilft. Das Karussell wird schneller.

Moment.

Ich ärgere mich und es wird schneller? Bin ich etwa selbst für mein Gedankenkarussell verantwortlich? Das heißt, ich könnte es alleine stoppen? Was passiert, wenn ich an einen schlafenden Igel in seinem Bau denke? Ich probiere es aus. Ich werde ruhiger. Warm, sicher und geborgen fühle ich mich. Ich lächele mir zu und – schlafe ein.


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Von Bojen und Schätzen – Achtsamkeit #5

“Wir können uns um unsere Schwierigkeiten kümmern wie eine Mutter, die sich um ihr weinendes Baby kümmert.”
aus “Sei liebevoll umarmt” (KW 5) von Thich Nhat Hanh

Schmerz, Trauer, Angst und Wut zeigen uns an, dass etwas unstimmig oder unerfüllt ist. Gefühle sind Indikatoren für Bedürfnisse. So wie eine Boje an der Meeresoberfläche schwimmt, die durch eine Kette mit einem Schatz am Meeresboden verbunden ist. Den Schatz gilt es mit einem Tauchgang zu bergen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Manch einer ist dem Glauben verhaftet, dass das Ignorieren schmerzlicher, dissonanter Gefühle Besserung verschafft. Ähnlich wie kleine Kinder glauben, sie wären nicht mehr zu sehen, indem sie ihre Augen verschließen. Vielleicht hat das Ignorieren zu einem früheren Zeitpunkt oder in einer speziellen Situation geholfen. Doch wir sind erwachsen geworden. Wir können Verantwortung für uns übernehmen. Wir können für uns selbst sorgen. Wir können unseren unerfüllten Bedürfnissen Aufmerksamkeit schenken wie wir uns um unser weinendes Baby kümmern. Vielleicht so.