Wurzeln und Flügel


Hinterlasse einen Kommentar

Besser geht’s nicht

Es wurde ein knackig kalter, aber sonniger Montag vorhergesagt. Ein Wintertag wie ich ihn liebe. Der Tagesvater des Kleinen hatte noch Urlaub, ich dementsprechend auch. Also habe ich mir etwas besonderes für den Kleinen und mich vorgenommen. Ich malte mir Tage im Voraus aus: erst ausschlafen, gemütlich frühstücken, Einkauf für die Woche in Ruhe erledigen, dann das Highlight, das ich mir mit zwei Kindern nicht zutraue: schwimmen gehen. Danach den Großen abholen, um gemeinsam zum Spielplatz oder in den Wald zu gehen.

Es hätte alles so schön werden können. Stattdessen zerplatzen meine Träume wie Seifenblasen…

Sechs Uhr morgens, mein Mann will den Großen für die Kita wecken und fertig machen. Der Große wird und wird nicht wach. Mein Mann knippst das Licht an, hell an. Der Große wird immer noch nicht wach, dafür der Kleine. Ping – vorbei das Ausschlafen. Irgendwann nach großem Protest sitzen wir alle vereint am Frühstückstisch. Mama ich will dies, Mama ich will das nicht. Ping – vorbei mit dem gemütlichen Frühstück. Mein Mann bringt den Großen zur Kita, während ich den Kleinen und mich bereit für den Einkauf mache. Es klingelt. Mann bringt den Großen zurück, Kita geschlossen. Ich fluche, was ist bitteschön ein Kommunikationstag? Ping, ping – futsch sind das entspannte Einkaufen und schwimmen gehen. Dafür habe ich zwei Kinder, wovon eines extrem unausgeschlafen und anhänglich ist und sein Dauernöhlen aufgelegt hat. Ich suche den Knopf, mit dem man die Schallplatte ausstellen oder wechseln kann. Finde ihn nicht.

Im Laufe des Vormittags kommuniziert der Kleine, dass er sein großes Geschäft erledigen muss, will aber nicht abgehalten werden. Ein unbeobachteter Moment und das gesamte große Geschäft landet in seiner Hose – ohne Windel oder Backup. Ich denke an Nicolas Mantra: „Wischen, waschen und lächeln.“ Ärgere mich jedoch noch mehr.

Nun will ich mir etwas Gutes tun wie z.B. den nächsten Urlaub planen. Naiv setze ich mich an Urlaubspläne von Kita und Tagesvater und stelle mit Entsetzen fest, dass deren Urlaubstage nicht überlappen. Mehr als sieben Wochen, die wir mit gerade mal 26 eigenen Urlaubstagen und ohne Schwieger-/Eltern abdecken müssen. Getrennt Urlaub nehmen? Das kann es doch nicht sein. Wie schaffen andere Eltern das? Gibt es vielleicht schon Feriencamps für Kleinkinder? Meine Stimmung geht in den Keller.

Stimmung aufhellen – zweiter Versuch. Wir gehen in die Stadtbibliothek. Gleich zu Beginn verärgern die Kinder die Dame an der Rezeption, weil sie eingehend den Zähler an der Eingangstür untersuchen, der wie ich erfahre schon mehrfach durch Kleinkinder kaputt gemacht wurde. Nach dem ersten Stifte ein- und ausräumen im Kinderbereich, legt mein Kleiner wieder die Dauernöhlplatte auf. Ich kenne das schon und fand es für die wenigen Minuten nicht schlimm. Erst dezent, dann deutlicher werden wir gebeten, die Bibliothek wegen Ruhestörung der anderen zwei (!) Gäste zu verlassen. Also erkläre ich dem Großen, dass wir jetzt zur Rezeption gehen, um die Bücher auszuleihen. Er fragt: „Gehen wir zu der dicken Frau?“ Verneinen kann ich nicht.

Was für ein Tag. Mehr Erlebnisse gibt es bei Frau Brüllen zu lesen.

Alles doof – oder besser geht’s nicht? Kennt Ihr das auch?


Hinterlasse einen Kommentar

Dezembertraditionen

Im Schein der Kerzen unseres Adventskranzes lauschen wir dem „dam, dam dam dam dam dam, dum“ des Weihnachtsoratoriums von Bach. Selbstgebackene Plätzchen versüßen uns diese Tage. Ob der „schmückliche“ Christbaum nächstes Jahr wieder dabei sein wird? Mit zwei kleinen Kindern ein Experiment, bei dem ich es sicherheitshalber nicht wagte, echte Kerzen am Baum zu entzünden. Ich stelle mir den dazugehörigen Tannen- und bei der Gelegenheit auch den Kerzenduft vor. Ich rieche leider nichts. Denn seitdem wir zwei Kinder haben, nimmt unser Krankenstand im Dezember sein Maximum an.

Zwei Film-Klassiker warten auf uns: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart von 1946. Dabei werde ich immer so melancholisch. Genau wie bei meinem Jahresrückblick. Jetzt noch ein Schlückchen von der Feuerzangenbowle – ach, nein – dem Kinderpunsch.

Alle Jahre wieder… versuche ich, das Singen von Weihnachtsliedern und Rezitieren von Gedichten anzuregen. Meist bleibt es bei meinen Erinnerungen an „Oh Du Fröhliche“ und „Der Zipfel, der Zapfel, der goldgelbe Bratapfel“. „Was hattet Ihr denn damals in der DDR für Traditionen im Dezember?“ frage ich meinen Mann. Er ist zwar getauft, doch außer mit Wissenschaftsgläubigkeit kann er mit Glauben nichts anfangen. „Wir verbrachten viel Zeit mit der Familie.“ Das ist das Wesentliche, finden wir beide.

Lust auf das Verfassen dieser Kurzgeschichte machte mir Bine von was eigenes mit ihrem Aufruf zu Shortstories.