Wurzeln und Flügel


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Wir scheitern uns voran

Scheitern bedeutet für mich, ein Ideal loszulassen. Möglicherweise ist das Loslassen mit schmerzhaften Gefühlen verbunden. Schließlich glaube ich zu wissen, dass ich Recht habe und ein Abweichen von meinem Ideal im schlimmsten Fall zu einer Katastrophe führen kann. Doch ist das tatsächlich so? Und was steckt eigentlich hinter dem Ideal?

Okay, ich hätte gerne Tischmanieren bei meinen Kindern und dadurch einen sauberen Tisch und Boden (Entspannung für mich) sowie weniger gematschte Essensreste im Müll (nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen). Solange sie nicht bei einer Hochzeitsfeier sich die Nase an der Tischdecke schneuzen und das Festmahl samt Teller und Besteck vom Tisch ziehen, werden wohl keine größeren Katastrophen beim Essen geschehen, oder?

Und was steht auf Seiten meiner Kinder gegen eine Kooperation mit mir? Ein Nein bedeutet immer auch ein Ja – nur zu etwas anderem. Im Fall des Essens ist es vielleicht das spielerische, haptische Kennenlernen der Nahrung, das Erkunden des Verhaltens von Flüssigkeiten mit der Schwerkraft. Und schon komme ich ins Staunen, meine Kinder sind kleine Naturforscher!

Wie können wir Forschen, Entspannung und Nachhaltigkeit zusammen erfüllen? Darüber gilt es sich auszutauschen – soweit möglich. Wir probieren neue Wege aus.

Wir scheitern uns voran.

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Alu von Große Köpfe möchte unsere #geschichtenvomscheitern hören oder zumindest was wir darüber denken.

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Das Leben als Chance

Lebensrisiko
Unglücke? Katastrophen? Gibt es bei mir nicht. Ich habe seit dem Super-Gau in Fukushima, 2011 meine Schotten dicht gemacht. Reiner Selbstschutz. Sonst würde ich vor Kummer, Sorge und Schmerz eingehen. Damals stand ich kurz vor der Geburt meines ersten Sohnes. Ich fühlte mich so durchlässig und sensibel wie nie. Viel hat sich daran nicht geändert. Und schließlich habe ich zu Hause eine anspruchsvolle Aufgabe zu erfüllen. Zwei kleine Wesen, die mich brauchen, stehen in meiner Obhut.

Loslassen
Die Sorge um meine Kinder bleibt. Das Schrecklichste wäre für mich, miterleben zu müssen wie ihnen etwas passiert. Und gleichzeitig möchte ich auch in diesen Stunden, Minuten für sie da sein. Viel zu selten erinnere ich mich daran, dass es nicht so wichtig ist, wenn wir nicht pünktlich sind. Oder das Zimmer mal nicht aufgeräumt, Kind und Kleidung verdreckt bis zum geht-nicht-mehr sind. Wir sind alle sterblich und wissen nicht, wann der Abschied kommen wird. Dass wir auf dem Weg des Elternseins viele kleine Abschiede nehmen, ohne es zu wissen hat Susanne von geborgen wachsen in einem Artikel geschrieben, der mich sehr berührt hat.

Lebenschance
Loslassen ist eine Kunst, die zu erlernen von uns Eltern täglich eingefordert wird. Gestern erst lernte mein Großer laufen und heute erprobt er sich an den höchsten Bäumen. Es ist nicht einfach für uns, aber es ist richtig so. Erst durch das Loslassen können wir das Leben ans Chance begreifen. Möglichkeiten, die das Leben bereit hält, gibt es viele. Meinen Kindern wünsche ich, dass sie…

…über die Schönheit des Universums staunen können:
Unsichtbares wie Pantoffeltierchen und weit entfernte Sterne sehen. Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, wilde Tiere beobachten. Die Weite des Meeres und die erhabene Begrenztheit der Berge erleben. Sein eigenes Baby im Arm halten.

…sich selbst spüren können:
Bei Nebel durch den Wald wandern. Karussell fahren. Im Meer schwimmen. Durch eine Wüste laufen.

…ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen können:
Eine universelle Sprache lernen. Mit Menschen in Verbindung kommen.

…sich ausdrücken und für sich und andere mutig einstehen können.
Kreativ. Solidarisch.

…Geborgenheit und Freiheit erleben dürfen. Wurzeln und Flügel.

 

Weitere wunderschöne Auflistungen könnt Ihr bei Mama Mia sehen.


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Achtsamkeit #8

„Sorge Dich nicht. Lächele Dir zu.“
aus „Sei liebevoll umarmt“ (KW 8) von Thich Nhat Hanh

Nachts fährt mein Gedankenkarussell am liebsten. Ob ich von allein oder durch den Tritt eines Kinderfußes erwache, ist einerlei. Meist zwischen ein und drei Uhr morgens beginnt die Extra-Fahrt, ohne bewusst ein Ticket dafür gekauft zu haben. Ich bin hundemüde und bräuchte dringend Erholung, um für den kommenden Tag gewappnet zu sein. Und sobald ich das denke und dabei anfange, mich zu ärgern, nimmt das Gedankenkarussell an Geschwindigkeit auf. Ich rufe: „Hallo! Könnte jemand die Bremse betätigen? Ich will aussteigen, Hilfe!“ Nichts tut sich. Ich ärgere mich noch mehr, weil niemand mir hilft. Das Karussell wird schneller.

Moment.

Ich ärgere mich und es wird schneller? Bin ich etwa selbst für mein Gedankenkarussell verantwortlich? Das heißt, ich könnte es alleine stoppen? Was passiert, wenn ich an einen schlafenden Igel in seinem Bau denke? Ich probiere es aus. Ich werde ruhiger. Warm, sicher und geborgen fühle ich mich. Ich lächele mir zu und – schlafe ein.


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High five for friday #1

Am heutigen Freitag möchte ich dem Beispiel von Pünktchen und Viktoria folgen und mir die glücklichen Momente der letzten Woche bewusst machen.

  1. Ich fand die Weihnachtsfeier meines Unternehmens klasse. Endlich gab es Zeit und Raum, meine Kollegen näher kennen zu lernen. Bei mir als Teilzeitarbeitnehmerin fallen häufig die gemeinschaftlichen Momente bei der Arbeit weg. Sind die Stunden abgearbeitet, sause ich nach Hause und hole die Kinder ab. So habe ich diesen geselligen Abend sehr genossen.
  2. Aber auch während des Abends habe ich an meine Mutter gedacht. Ich habe gehofft und nun erfahren, dass meine Mutter die Diagnose mit der besseren Prognose bekommen hat. Zwar bin ich noch besorgt, aber etwas beschwingt und erleichtert.
  3. Eine Freundin und ich haben einen regelmäßigen Termin zum Telefonieren vereinbart. Ich bin dankbar für die verständnisvolle und wertschätzende Verbindung. Es macht mir Freude, zusehen zu können wie sie von Mal zu Mal wächst, stärker und mutiger wird. Dazu trage ich gerne bei.
  4. Vor wenigen Tagen nahm Malala Yousafzai den Friedensnobelpreis entgegen. Bis vor wenigen Tagen fiel ihr Name bei mir unter „ferner liefen…“. Ihre Rede hat mich tief berührt. Zwei Punkte sind mir davon im Gedächtnis geblieben. Erstens fragt sie: „Warum ist es so einfach, Kindern Waffen zu geben, aber so schwer, ihnen Bildung zu ermöglichen?“. Sie trifft den Punkt. Dabei ist ihre Art zu sprechen nicht anprangernd oder tadelnd. Sie wirkt ruhig und bestimmt. Trotzdem – oder gerade deswegen? – schafft sie es, sich Gehör zu verschaffen. Wie geht das? Sich selbst nicht so wichtig nehmen, aber trotzdem dafür einstehen, was einem wichtig ist. Weniger „ich will, dass Du…!“, mehr „Das ist mir wichtig, ich handele danach.“. Authentisch sein und der Rest folgt ohne größere Widerstände. Eine wunderbare Idee.
  5. Zweitens dankt sie ihren Eltern, dass sie ihr nicht die Flügel gestutzt haben und sie haben fliegen lassen. Mein Herz springt in die Luft bei diesem Satz, denn so soll es sein.