Wurzeln und Flügel


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DDR-Familiengeschichten, ausgeplaudert von der Schwiegertochter

Tief im Westen geboren und doch über die DDR erzählen wollen? Mein Mann, ein gebürtiger Thüringer, und ich führen eine „binationale“ Ehe. Dadurch kann ich mich zwar nicht komplett in seine Gefühlswelt was die DDR betrifft hinein versetzen und Erlebtes schon gar nicht bewerten, aber im Laufe der Jahre habe ich einiges mitbekommen. So möchte ich mit diesen #DDRGeschichten eine weitere Facette zu Sonjas – Mama notes Blogparade „Erzählt von der DDR! Finding Europe – Elternschaft anderswo“ beitragen.

Meine Schwiegermutti studierte und promovierte in Biologie als einzige Tochter eines Ingenieurs und Professors. Während ihrer Arbeit als Tutorin an der Universität lernte sie ihren Mann, einen Studierenden der Medizin kennen. Sein Wunschstudium konnte er erst nach einer Ausbildung verwirklichen. Als Paar hielten beide zusammen und unterstützten sich ein Leben lang, wo es nur ging. D.h. sie verdiente anfangs das Geld, um ihn in seinem Studium zu unterstützen. Auch als das erste Kind kam, waren sie auf ihr bzw. beide Gehälter angewiesen. Dass meine Schwiegermutti arbeitete, war also sozial erwünscht und notwendig für die Familie. Aus den Aussagen meines Schwiegervatis, dass er gar nicht wisse wie man Kinder wickelt und er sich, wenn er allein ist, am liebsten aus Konservendosen ernähre, schließe ich, dass Kinder und Haushalt weiterhin Frauensache waren.

Die Not macht erfindungsreich… meine Schwiegermutti bastelte sich aus Gardinen ein Tragesystem, so dass sie die Säuglinge während der (Haus-)Arbeit bei sich und die Hände frei haben konnte. Da beide Schwiegereltern Akademiker waren, erhielten sie keine staatliche Kinderbetreuung. Mein Schwager wuchs unter der Woche bei seiner Oma im Thüringer Wald auf. Sieben Jahre später, als mein Mann geboren war, waren meine Schwiegereltern noch immer auf die tatkräftige Unterstützung aus der eigenen Familie angewiesen. Wegen des kindlichen Asthmas meines Mannes zog die Familie häufig um und näherte sich nach und nach der heilsamen Ostseeluft. Bis sie vom damals stickigen Jena aus am Meer angekommen waren, wurde mein Mann als Kind regelmäßig für mehrere Monate pro Jahr u.a. an die Ostsee zur Kur geschickt. Persönliche Päckchen mit Geschenken wurden von der Kuranstalt geöffnet und die Geschenke an alle Kinder verteilt. Nach einem der letzten Kuraufenthalte erkannte er seinen Bruder nicht wieder, weil dieser sich in den wenigen Monaten durch die Pubertät stark verändert hatte. Alle litten unter den emotionalen Ausrufen: „Du bist nicht mein Bruder!“ Sie einigten sich darauf, dass er der neue Bruder wäre, aber es auf jeden Fall noch einen anderen Bruder gibt.

Mein Schwiegervati machte Karriere, Schwiegermutti kümmerte sich indes um Kinder, Haushalt und um ihre Arbeit.

Ich ziehe meinen Hut vor ihr.

 

Text geändert am 23.5.2015

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Blogparade #Familienalbum: meine Geburt in den 70ern

Kaum per Kaiserschnitt geboren, wurde ich gewaschen, vermessen, angezogen und ins eigene Bettchen gelegt. Rooming-in war noch nicht so verbreitet. Zum Glück gab es so schicke Armbändchen, damit man nicht vertauscht wurde.

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Meine Mutter erzählte, dass eine Begleitung durch Hebammen leider nicht verbreitet war. Unter anderem fürs Stillen hätte sie gut Hilfe gebrauchen können. Aus Angst, dass ich es nicht schaffe, gab es das Fläschchen.

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Aus mir ist trotzdem etwas geworden. Dennoch wünsche ich mir, dass der Berufsstand der Hebammen erhalten bleibt und gefördert wird. Sie sind wichtig bei der Vorbereitung auf die Geburt, der Geburt selbst, Nachsorge, Stillen und Säuglingspflege. Mütter sollen die Wahl haben können und nicht aus Angst heraus handeln müssen.

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Mütter – drei Generationen.

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Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #Familienalbum: unsere Kindheit der 70er und 80er Jahre von Frau Mutter.


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Beim zweiten Kind wird alles besser

Wird es besser? Wird es schlechter? Ich weiß es nicht. „Beim zweiten Kind wird alles anders“ klingt für mich logischer. Ich bin durch die Erfahrungen mit meinem Erstgeborenen ein anderer Mensch geworden. Ich weiß z.B., dass…

…ich mir für die erste Zeit mit Neugeborenem viel Ruhe und Unterstützung am liebsten durch meinen Mann wünsche, um als Familie anzukommen.
…der Babyblues dazugehört und halb so schlimm ist, wenn ich ihn annehme und zulasse.
…man auch mit wenig Schlaf auskommen kann.
…gut gemeinte Ratschläge besonders von fremden, älteren Damen mit dutzidutzidu-Gehabe gut gemeint sind. Wenn es mir zu viel wird, drehe ich mich um oder wechsele die Straßenseite.
…die Gabe von zuckerhaltigen Produkten bei unter-Einjährigen keine bleibenden Schäden hervorruft.
…die Trotzanfälle des Kleinkindes wieder vorbei gehen.
…Kekse oder Gummibärchen wichtig sind für die psychische Verfassung von Mutter und Kind.
…Schulmedizin sehr hilfreich sein kann.

Ich kenne die Telefonnummern der Kinderärztin und Kindernotärztlichen Ambulanz auswendig. Ich kenne mich bestens aus auf dem Gelände des Uniklinikums, speziell Notfallzentrum. Platzwunde nähen lassen mit Narkose reißt mich nicht mehr vom Hocker. Bei seltsam rasselnden Atemgeräuschen oder Ohrenschmerzen gebe ich direkt die Standardmedikation statt Stunden beim Kinderarzt zu verbringen. (Wenn das nicht helfen sollte, gehe ich natürlich zum Kinderarzt.)

Fazit: ich bin selbstbewusster und natürlich die Gelassenheit im Person geworden. Alle weiteren Kinder sind demnach ein Kinderspiel, oder?

CAVE: alle weiteren Kinder sind ebenfalls anders…

Dieser Post ist mein Beitrag für eine Blogparade von Mama on the rocks.


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Mach Dein Denken zu einem Danken

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Wofür ich diese Woche dankbar bin:

Eine kleine Jasmin (s. Bild) hat mir meine „Telefonfreundin“ zugegschickt. Danke für diese witzige Unterstützung! In kritischen Situationen kann es hilfreich sein, sich über seine inneren Anteile (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Kind-Ich) nach der Transaktionsanalyse bewusst zu sein. Bis jetzt kam es nicht dazu, aber ich trage das Radiergummi sicherheitshalber in meiner Jackentasche. Mein Sohn findet die kleine Jasmin auch ganz toll.

Nach längerer Zeit habe ich eine Freundin wieder getroffen. Unsere Wege sind auseinandergegangen, ich war unsicher ob wir uns noch etwas zu sagen haben. Doch ich freue mich, dass die Verbindung bestehen geblieben ist.

Ein unangenehmes und schwieriges Gespräch mit einer externen Arbeitskollegin habe ich angepackt. Währenddessen habe ich mich zittrig und stark zugleich gefühlt. Zittrig, weil ich meine Kollegin schätze und nicht verprellen möchte. Stark, weil ich zu mir gestanden habe.

Während des Wochenendbesuchs bei meinen Eltern hatte ich Zeit für einen Friseurbesuch, der leider nach hinten losging. Dennoch war es Zeit für mich.

Ich konnte meiner Mutter zuhören, bei ihr sein, sie halten, ihr Trost spenden. Wir weinten und wir lachten gemeinsam. Und wir erfreuten uns gemeinsam an der Lebendigkeit meiner Kinder.

Zur Zeit genieße ich sehr das Spielen mit meinen Kindern. Ich , Kleiner Donner, erlebe mit Yakari und seinem kleinen Bruder die wildesten Abenteuer. Großer Spaß und Leichtigkeit wie eine Wolke gesellen sich zu uns. Ahow.

Meine Tops der Woche verlinke ich zu Pünktchen und Viktoria, Mama Miez und Wilde Wölfin.


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Moms rock!

Die Kinder ins Bett zu bringen, das ist unsere unbeliebteste Aufgabe. Am Abend sind wir alle müde, nur die Kinder wollen es nicht akzeptieren. Meist ist es so, dass ich, bis sich alle bettfertig im Schlafzimmer befinden, eigentlich schon zu müde fürs Gute-Nacht-Programm bin. Wie häufig haben wir uns schon gewünscht, dass die Kinder einmal, nur ein einziges Mal, von allein sich bettfertig machen und friedlich in Bett gehen würden, um dort zu schlafen – und zwar bis zum nächsten Morgen.

Dieses Mal kann ich mich nicht davon stehlen wie ich es mir häufig vorstelle, denn mein Mann würde erst spät von seiner eintägigen Dienstreise kommen. Es ist soweit, ich darf die Kinder zum ersten Mal seit der Geburt unseres zweiten Sohnes allein ins Bett bringen. Eine Horrorvorstellung. Doch was man nicht ändern kann, muss man mit Gelassenheit nehmen und das Beste daraus machen. Als würde die innere Einstellung den weiteren Verlauf vorgeben, treffen sich meine Kinder und ich entspannt und vergnügt im Familienbett. „Was machst Du denn da?“ begrüßt mich mein Mann überrascht in der Tür stehend. Zugegebenermaßen sehe ich komisch aus. Mit meinem Bademantel bekleidet liege ich im Bett und wedele sanft mit dem Frotteegürtel. Wahrscheinlich ist es einer dieser Momente, in denen er sich die Kinder lieber weit weg wünscht. Links im Arm befindet sich jedoch unser Großer. Ich lese ihm ein Buch vor. „Schlafenszeit, kleiner Tiger“, die Augen fallen ihm fast zu. Ein glückliches Kind, wie herrlich. Ich könnte ihn ewig so betrachten. Zu meiner Rechten liegt unser Kleiner. Er spielt sich müde am Frotteegürtel. Noch ein glückliches Kind, wie wunderbar.

Und eine glückliche Mama. Ich habe es nicht nur geschafft, die Kinder allein ins Bett zu bringen, ich habe es richtig klasse gemacht. Ich bin gelassen geblieben und habe jedem Kind das angeboten, was es brauchte, um gut in den Schlaf zu finden. So kann es weiter gehen.

#momsrock: eine Blogparade zum Thema „Das habe ich wirklich gut gemacht in Bezug auf meine Kinder“ von Lucie Marshall.

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