Wurzeln und Flügel


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Wie gelingt das verständnisvolle Zuhören in Konfliktsituationen? oder Achtsamkeit #11

„Nur tiefes Zuhören können die falschen Wahrnehmungen abbauen, die die Wurzel aller Konflikte und Gewalt sind.“
aus „Sei liebevoll umarmt“ (KW 11) von Thich Nhat Hanh

Dem Zitat ist nichts hinzuzufügen. Oder?

Nur warum fällt es uns so schwer, in einem Konflikt die Not des anderen heraus zu hören? Warum geraten wir so leicht ins Beschuldigen?

Wir sind alle groß geworden in einem System von Schuld und Scham. Wenn wir etwas „verkehrt“ gemacht haben, versuchen wir uns meist zu entSCHULDigen statt zu sagen, es tut mir leid, dass ich dieses oder jenes bei Dir ausgelöst habe. Ich vermute in über 95% der Fälle liegt der Grund für das „falsche“ Verhalten nicht darin, jemanden extra zu verletzen oder zu ärgern. Dennoch hat sich dieser Weg in uns gefestigt. Gibt es einen Auslöser, ein Ärgernis fahren wir auf unserer inneren Autobahn mit 200 km/h. Alternative Wege müssen erst hart erarbeitet werden wie ein neuer Pfad durchs Dickicht des Dschungels. Nach und nach wird aus dem Pfad ein Weg und aus dem Weg eine Straße. Bleib auf der Suche nach einem anderen Pfad, doch sei geduldig mit Dir.

In einem Konflikt sagt mein zum Zuhören gewillter Anteil: „Wie bitte? Was? Ich versteh nichts – es ist so laut hier!“ Kein Wunder – bei den hochkochenden Emotionen, den vielen, lauten Hilferufen meiner unerfüllten Bedürfnisse. Jedes Einzelne will gehört werden. Zu dumm, dass es dem Gegenüber vermutlich ähnlich geht. Wenn wir auf unseren Standpunkten verharren, kommen wir nicht zum tiefen Zuhören. Stattdessen?

Stattdessen können wir üben, uns selbst nicht so wichtig zu nehmen. Vielleicht können wir uns selbst sagen: „Ja, liebe Emotionen und Bedürfnisse, ich sehe Euch, doch zuerst möchte ich meinem Gegenüber zuhören.“ Oder vielleicht noch besser, weil effektiver, können wir versuchen, uns selbst einen stillen Empathie-Quickie zu geben. Mein Onkel erzählte einmal, dass er in einem Streit mit seiner Frau sich auf das Vertrauen und die Liebe zwischen ihnen fokussiere. Eine sehr schöne Idee wie ich finde, ausprobiert habe ich sie noch nicht. Meine Yoga-Lehrerin versucht die Geschwindigkeit in der Kommunikation zu reduzieren. Als konkrete Handlungsmöglichkeit könne man sich erst ein Timeout gönnen und im Gespräch eine Stoppuhr zu Hilfe nehmen. Jeder bekommt dieselbe Redezeit, währenddessen das Gegenüber nur zuhören darf. Bezugnehmen ist erst in der eigenen Redezeit erlaubt.

Dies sind ein paar Vorschläge zum besseren Zuhören in Konfliktsituationen. Mich interessiert wie Ihr es schafft, im Streit dem Gegenüber verständnisvoll zuzuhören?

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Mach Dein Denken zu einem Danken

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Wofür ich diese Woche dankbar bin:

Eine kleine Jasmin (s. Bild) hat mir meine „Telefonfreundin“ zugegschickt. Danke für diese witzige Unterstützung! In kritischen Situationen kann es hilfreich sein, sich über seine inneren Anteile (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Kind-Ich) nach der Transaktionsanalyse bewusst zu sein. Bis jetzt kam es nicht dazu, aber ich trage das Radiergummi sicherheitshalber in meiner Jackentasche. Mein Sohn findet die kleine Jasmin auch ganz toll.

Nach längerer Zeit habe ich eine Freundin wieder getroffen. Unsere Wege sind auseinandergegangen, ich war unsicher ob wir uns noch etwas zu sagen haben. Doch ich freue mich, dass die Verbindung bestehen geblieben ist.

Ein unangenehmes und schwieriges Gespräch mit einer externen Arbeitskollegin habe ich angepackt. Währenddessen habe ich mich zittrig und stark zugleich gefühlt. Zittrig, weil ich meine Kollegin schätze und nicht verprellen möchte. Stark, weil ich zu mir gestanden habe.

Während des Wochenendbesuchs bei meinen Eltern hatte ich Zeit für einen Friseurbesuch, der leider nach hinten losging. Dennoch war es Zeit für mich.

Ich konnte meiner Mutter zuhören, bei ihr sein, sie halten, ihr Trost spenden. Wir weinten und wir lachten gemeinsam. Und wir erfreuten uns gemeinsam an der Lebendigkeit meiner Kinder.

Zur Zeit genieße ich sehr das Spielen mit meinen Kindern. Ich , Kleiner Donner, erlebe mit Yakari und seinem kleinen Bruder die wildesten Abenteuer. Großer Spaß und Leichtigkeit wie eine Wolke gesellen sich zu uns. Ahow.

Meine Tops der Woche verlinke ich zu Pünktchen und Viktoria, Mama Miez und Wilde Wölfin.


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Mama beim Friseur

Mir ist zum heulen. Ich habe braune Naturlocken, die ich mag. Und nun habe ich einen Pony, oder so etwas ähnliches. Auch wenn es wirklich wichtigere Dinge im Leben gibt als Haare, muss ich das Taschentuch zücken. Naturlocken und Pony vertragen sich auf meinem Kopf einfach nicht.

Die günstige Gelegenheit bei meinen Eltern ließ mich den Weg zum Friseur beschreiten. Endlich eine Frisur zum Wohlfühlen und ein bischen Zeit für mich. Der Friseur, den ich zugewiesen bekam, wurde als der beste des Ladens angepriesen. Leider sprach er wenig Deutsch. Kein Problem, dachte ich mir, solange er gut schneiden kann. Meine Vorstellungen besprachen wir im Beisein des Chefs. Ich wies sie darauf hin, dass meine Naturlocken sich vorne mehr kräuseln als hinten. D.h. vorne darf man bei mir so gut wie nichts abschneiden, wenn das Endbild gerade aussehen soll.

Es ging von hinten los. Immer nervöser beobachtete ich im Spiegel wie die Schere sich nach vorne arbeitete, ganz vorne ansetzte, schnipp, schnapp – Haare vorne ab. Ich erklärte ihm nochmals, dass er dort nichts abschneiden soll. Woraufhin er erwiderte, dass es nur ein bischen sei und die Frisur ordentlich geschnitten sein müsse. Es ging weiter auf der anderen Kopfseite, von hinten nach vorn. Erneut setzte er die Schere dort an, wo ich sie nicht haben wollte. Ich rief ärgerlich: stopp, nein, nicht schneiden! Zu spät. Er beruhigte mich, es wäre nur ein bisschen gewesen. Lob erheischend fragte er mich nach dem Föhnen wie es mir gefalle. Was soll ich da sagen, außer: „Hinten ist es okay, doch vorne ist es zu kurz geworden!“ Er entgegnete: „Bella, hör mir zu. Haare wachsen wieder.“

Ach nee.

Viel mehr als über mein jetziges Erscheinungsbild ärgere ich mich darüber, dass mir keiner der letzten drei Friseure zugehört hat. Ich bin frustriert, was die Suche nach einem Friseur angeht. Nach dem vorletzten Friseurbesuch sah ich aus wie den 30ern entsprungen. Überrascht sagte mir die Frau hinterher, dass sie nicht damit gerechnet hat, dass sich meine Locken so kräuseln würden. Und das, obwohl ich sie vorher über meine Haareigenschaft informiert hatte. Vor dem letzten Friseurbesuch hatte ich mich extra nach einer Expertin für Naturlocken erkundigt. Bingo! Ich bekam eine – die mir nach dem Schneiden ungefragt mit dem Plätteisen die Locken ausmerzen wollte. Ohne Worte.

Ich habe mir soeben den Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Friseur durchgelesen. Kommunikative Kompetenzen sollen innerhalb der Ausbildung vermittelt werden. Meine lieben drei Friseure, habt Ihr alle an dem Unterrichtstag gefehlt? War die Umsetzung des Lehrplans so schlecht? Habt Ihr Bohnen in den Ohren? Erlernen nur noch Dumpfbacken dieses Handwerk? Oder wollt Ihr Eure Vorstellungen dem Kunden ohne Rücksicht auf Verluste überstülpen? Ich werde es wohl nie erfahren, denn Eure Läden werde ich meiden.

Bis zum nächsten Friseurbesuch ist zum Glück etwas Haar, ähm, Gras drüber gewachsen.